Buchcover „King of Pop" – die einzige von Michael Jackson autorisierte Biografie von Christian Marks

Michael Jacksons Einfluss auf die Popmusik: Was er verändert hat

Michael Jackson wird häufig pauschal als „Erfinder" von MTV oder des Musikvideos bezeichnet. Solche Zuschreibungen halten einer Prüfung selten stand. Dieser Beitrag beschränkt sich auf Wirkungen, die sich mit Daten, Verträgen und Aussagen anderer Künstlerinnen und Künstler belegen lassen – vom Musikvideo über die Bühnenchoreografie bis zum Tourneegeschäft. Ein eigener Abschnitt ordnet ein, was ihm zugeschrieben wird, aber nicht allein auf ihn zurückgeht.

Ereignis Datum / Zahl
Album „Thriller", Veröffentlichung 29. November 1982
Motown 25, Moonwalk-Auftritt 25. März 1983
Musikvideo „Thriller", Budget ca. 500.000–900.000 US-Dollar
„Thriller" im National Film Registry seit 2009
„Thriller", RIAA-Zertifizierung USA 34-fach Platin

Wie veränderte „Thriller" das Musikvideo als eigenständige Kunstform?

Der 14-minütige Kurzfilm zu „Thriller", inszeniert von Regisseur John Landis, kostete nach unterschiedlichen Angaben zwischen rund 500.000 und 900.000 US-Dollar – etwa das Zehnfache eines üblichen Musikvideos von 1983. Er verband Spielfilmdramaturgie, eine eigene Making-of-Dokumentation und aufwendige Choreografie und wurde 2009 als erstes Musikvideo überhaupt in das US-amerikanische National Film Registry aufgenommen.

Choreografiert wurde die Zombie-Sequenz von Michael Peters, der zuvor bereits „Beat It" für Jackson choreografiert hatte. Videoregisseurinnen und -regisseure der folgenden Jahre verwiesen wiederholt darauf, dass „Thriller" den Umgang mit Budget, Handlung und Produktionswert in der Branche veränderte: Musikvideos wurden danach seltener als reine Bühnenaufnahme verstanden und häufiger als eigenständiges filmisches Format geplant. Mehr zum Album und seiner Produktion im Beitrag zu „Thriller".

Welche Rolle spielte Michael Jackson bei der Öffnung von MTV für Schwarze Künstler?

Ab 1983 sorgte die intensive Rotation von „Billie Jean" und „Beat It" dafür, dass MTV sein bis dahin überwiegend auf Rockmusik ausgerichtetes Programm änderte und schwarzen Pop- und R&B-Künstlern spürbar mehr Sendezeit einräumte. Vollständig neu war das nicht: Einzelne schwarze und gemischte Acts liefen bereits vorher, aber selten in vergleichbarer Häufigkeit.

Vor 1983 zeigte MTV unter anderem Grace Jones, das britisch-jamaikanische Duo The Specials und 1982 gelegentlich Prince sowie die Gruppe Musical Youth, deren Song „Pass the Dutchie" nach Angaben von Musikjournalisten zu den ersten regelmäßig rotierten Titeln eines schwarzen Acts zählte. MTV-Mitgründer Les Garland begründete die anfänglich geringe Präsenz schwarzer Künstler vor allem mit dem engen Rockformat des Senders und dem Mangel an verfügbaren Musikvideos aus diesem Genre, nicht mit einer erklärten Ausschlusspolitik. Der kommerzielle Erfolg von Jacksons Videos ab 1983 gilt dennoch als der Moment, in dem der Sender sein Format sichtbar öffnete.

Wie verband er Pop, Funk, Rock und R&B im Mainstream?

Das Album „Thriller" (Veröffentlichung: 29. November 1982) mischte Post-Disco, Funk, R&B, Rock und Balladen in einer Weise, die vor ihm im Mainstream selten in dieser kommerziellen Größenordnung zu hören war. Der Gitarrensolo-Gastauftritt von Eddie Van Halen in „Beat It" gilt als eines der bekanntesten Beispiele für die Rock-Pop-Crossover-Strategie des Albums.

Diese Genre-Mischung war kein Alleingang: Sly and the Family Stone, Rick James und Prince hatten Funk, Rock und Pop bereits zuvor verbunden. Jacksons Beitrag liegt weniger in der Erfindung der Mischung als in ihrer Verbreitung über nahezu alle Radioformate und Alterszielgruppen zugleich – „Thriller" gilt bis heute als eines der meistverkauften Alben weltweit, mit einer RIAA-Zertifizierung von 34-fach Platin in den USA. Zahlen und Rekorde im Detail im Beitrag zu den Verkaufszahlen.

Bereits das Vorgängeralbum „Off the Wall" (1979), ebenfalls mit Quincy Jones produziert, hatte Disco, Funk, Soul und Pop-Balladen zusammengeführt und damit die stilistische Grundlage für „Thriller" gelegt. Der Unterschied zwischen beiden Alben liegt vor allem in der kommerziellen Reichweite: Während „Off the Wall" in der Fachwelt als eigenständiges, gereiftes Soul-Pop-Album galt, erreichte „Thriller" durch die begleitenden Musikvideos zusätzlich ein Publikum, das zuvor kaum mit R&B- oder Funk-Produktionen in Berührung kam.

Welche Rolle spielte Quincy Jones bei der Albumproduktion?

Quincy Jones produzierte mit Jackson die drei Alben „Off the Wall" (1979), „Thriller" (1982) und „Bad" (1987). Diese Zusammenarbeit gilt in der Musikbranche als Beispiel für eine besonders arbeitsteilige, mehrschichtige Studioproduktion, bei der Arrangement, Songwriting-Teams und Toningenieure eng koordiniert wurden, um einen dichten, radiotauglichen Klang zu erzielen.

Das Produktionsbudget von „Thriller" lag bei rund 750.000 US-Dollar, aufgenommen in den Westlake Recording Studios in Los Angeles. Nach Jones' Tod im November 2024 würdigten zahlreiche Musikjournalisten die Zusammenarbeit als eine der einflussreichsten Produzenten-Künstler-Partnerschaften der Popmusikgeschichte, ohne dass diese Einschätzung mit belastbaren Verkaufszahlen aus anderen Produktionen relativiert werden müsste.

Was bewirkten Michael Jacksons Bühnenchoreografie und der Moonwalk?

Bei seinem Auftritt in der Fernsehshow „Motown 25: Yesterday, Today, Forever" am 25. März 1983 zeigte Jackson erstmals einem Millionenpublikum den Moonwalk zu „Billie Jean". Der Auftritt gilt als der Moment, der den Tanzschritt vom Insider-Move der Straßentanz- und Funk-Szene zu einer weltweit bekannten Geste machte.

Erfunden hat Jackson die Bewegung nicht: Varianten des rückwärtsgerichteten Gleitschritts, oft als „Backslide" bezeichnet, sind bereits aus den 1950er-Jahren belegt, unter anderem beim Tänzer Bill Bailey, sowie aus der Popping- und Funk-Tanzszene der 1970er-Jahre. Jacksons Beitrag lag in der öffentlichen Verbreitung und in der Verbindung mit einer festen Choreografie, entwickelt unter anderem gemeinsam mit Michael Peters und später mit Choreografen wie Vincent Paterson und Travis Payne, die beide auch für andere Popstars arbeiteten. Details zum Auftritt bei Motown 25 im Beitrag zum Moonwalk.

Wie veränderte er Tourneeproduktion, Bühnentechnik und Merchandising?

Die Tourneen der 1990er-Jahre, insbesondere die Dangerous World Tour (1992–1993) und die HIStory World Tour (1996–1997), setzten mit riesigen Bühnenbauten und aufwendiger Pyrotechnik neue Maßstäbe für die technische Größe von Pop-Konzertproduktionen. Zum Start des Albums „HIStory" ließ Jackson 1995 im Rahmen einer rund 30 Millionen US-Dollar teuren Kampagne neun etwa zehn Meter hohe Statuen bauen, entworfen von der Bildhauerin Diana Walczak – unter anderem wurde eine davon am 15. Juni 1995 auf der Themse durch London geschleppt, weitere folgten in Berlin, Paris, Mailand, Prag und Eindhoven.

Im Merchandising- und Sponsoring-Bereich schloss Jackson 1983 mit Pepsi einen Werbevertrag ab, der laut zeitgenössischer Berichterstattung mit rund 5 Millionen US-Dollar als einer der größten Sponsoring-Deals galt, die ein einzelner Künstler bis dahin unterschrieben hatte. Diese Verbindung von Tournee, Werbepartnerschaft und Lizenzware trug dazu bei, das Modell des global vermarkteten Solokünstlers zu etablieren, wie es später von zahlreichen Popstars übernommen wurde.

Als globaler Solokünstler unterschied sich Jackson von den meisten Zeitgenossen dadurch, dass er Album, Musikvideo, Fernsehauftritt, Tournee und Werbepartnerschaft als ein zusammenhängendes Vermarktungssystem behandelte, statt diese Bereiche getrennt zu steuern. Spätere Karrieren von Solo-Popstars mit weltweiten Stadiontourneen und eigenen Merchandising-Linien griffen dieses Muster in unterschiedlichem Umfang auf, ohne dass sich daraus eine direkte, belegbare Kausalkette in jedem Einzelfall ziehen lässt.

Welche Künstlerinnen und Künstler berufen sich ausdrücklich auf ihn?

Mehrere später erfolgreiche Popkünstler haben in Interviews konkret benannt, wie Jacksons Werk sie beeinflusst hat. Justin Timberlake beschrieb in der Sendung „Oprah Presents Master Class" im Mai 2014, wie ihn Jacksons Vertrauen in seine Fähigkeiten zur Solokarriere ermutigte: „it was the first time I ever really felt the confidence to do it."

Beyoncé würdigte Jackson in einem persönlichen Brief, den Billboard 2014 veröffentlichte, mit den Worten „you could hear his soul". Solche direkten, quellenbelegten Aussagen unterscheiden sich von den zahlreichen unbelegten Listen angeblich „beeinflusster" Künstler, die im Internet kursieren und für diesen Artikel bewusst nicht übernommen wurden.

Was wird ihm zugeschrieben, geht aber nicht allein auf ihn zurück?

Drei Zuschreibungen verdienen eine differenzierte Einordnung. Erstens: Der Moonwalk existierte als Tanzbewegung bereits Jahrzehnte vor Jacksons Auftritt bei Motown 25 – seine Leistung war die massenhafte Verbreitung, nicht die Erfindung. Zweitens: MTV hatte auch vor 1983 vereinzelt schwarze Künstler im Programm, wenn auch selten; die Öffnung des Formats war ein schrittweiser Prozess, den Jacksons kommerzieller Erfolg beschleunigte, aber nicht im Alleingang auslöste.

Drittens: Die Verbindung von Funk, Rock, Pop und R&B im Mainstream geht auf Künstler wie Sly and the Family Stone, Rick James und Prince zurück, die diese Mischung bereits vor „Thriller" umsetzten. Jacksons Beitrag liegt in der kommerziellen Reichweite dieser Verbindung, nicht in ihrer Erfindung. Diese Einordnung schmälert die belegten Wirkungen nicht, sie trennt sie lediglich von Behauptungen, die sich bei näherer Prüfung nicht halten lassen – im Sinne des journalistischen Grundsatzes, nur zu behaupten, was sich mit Daten und benannten Quellen stützen lässt. Wer sich einen Überblick über weitere Fakten zu seiner Karriere verschaffen möchte, findet eine Zusammenstellung auf der Seite Michael-Jackson-Wissen, unter anderem auch zur Herkunft des Titels „King of Pop".

Zum Weiterlesen: „King of Pop" von Christian Marks ist die weltweit einzige Michael-Jackson-Biografie, die Michael Jackson selbst autorisiert hat. Sie umfasst 388 Seiten und rund 400 Fotografien, die er persönlich aus seinem Privatarchiv ausgewählt hat. Erschienen im Verlag X-Medien Ltd., Berlin. → Zum Buch

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